Zikaden bei Cannabis: Schadbilder & Maßnahmen
Blattzikaden auf Cannabis: zwischen harmlosen Besuchern und echtem Befall
Aktualisiert: Oktober 2026 | Zikaden bei Cannabis: Arten, Schadbilder, Diagnose, Ausbreitung, Pflanzenkrankheiten und Maßnahmen.
Autor: Cannapot Grow Team | Lesezeit: ungefähr achtzehn Minuten

Das Wichtigste auf einen Blick
✓ Blattzikaden gehören zur Insektenfamilie Cicadellidae und ernähren sich von Pflanzensäften. Viele Arten springen bei Störungen schnell davon oder fliegen auf. Nicht jede Blattzikade, die auf einer Cannabispflanze entdeckt wird, nutzt diese auch als Wirtspflanze oder verursacht Schäden.
✓ Typische Saugschäden können sich durch kleine, helle Punkte und unregelmäßige Sprenkelungen auf den Blättern zeigen. Bei bestimmten Arten, darunter die Kartoffelblattzikade Empoasca fabae, können zusätzlich ausgeprägte Schäden an Blattspitzen und Blatträndern auftreten. Dieses Schadbild wird als Hopperburn bezeichnet.
✓ Helle Blattflecken sind kein eindeutiger Beweis für Blattzikaden. Auch Thripse und Spinnmilben können ähnliche Veränderungen hervorrufen. Für eine zuverlässige Einordnung sollten deshalb die sichtbaren Insekten, ihr Bewegungsverhalten und das gesamte Schadbild berücksichtigt werden.
✓ Auf Cannabis beziehungsweise Hanf wurden verschiedene Blattzikadenarten dokumentiert. Der Nachweis einzelner erwachsener Tiere bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sich die jeweilige Art auf der Pflanze vermehrt oder eine schädigende Population entwickelt.
✓ Einige Blattzikadenarten können Krankheitserreger zwischen Pflanzen übertragen. Bei Cannabis ist insbesondere das Beet Curly Top Virus (BCTV) relevant, das unter anderem durch die Blattzikade Circulifer tenellus übertragen werden kann. Eine solche Übertragungsfähigkeit darf jedoch nicht pauschal auf andere Blattzikadenarten übertragen werden.
✓ Im Freiland können Blattzikaden aus benachbarten Pflanzenbeständen und der umliegenden Vegetation einwandern. Regelmäßige Kontrollen, eine möglichst genaue Bestimmung der Tiere und gezielte Maßnahmen sind deshalb sinnvoller als eine vorschnelle Behandlung aufgrund einzelner Funde.
Auf einem Cannabisblatt sitzt ein kleines, grünes Insekt. Sobald sich das Blatt bewegt, springt es davon oder fliegt auf. Ein solches Verhalten ist typisch für viele Blattzikaden. Doch selbst wenn das Insekt eindeutig als Blattzikade erkannt wird, bedeutet seine Anwesenheit nicht automatisch einen Schädlingsbefall. Manche Arten gelangen aus der umliegenden Vegetation auf Cannabispflanzen, ohne sich dort dauerhaft anzusiedeln oder zu vermehren.
Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn gleichzeitig helle Sprenkelungen, gelbliche Blattbereiche oder Veränderungen an Blattspitzen und Blatträndern auftreten. Allerdings sind auch diese Anzeichen nicht eindeutig. Thripse bei Cannabis und Spinnmilben können vergleichbare Schäden verursachen. Für eine zuverlässige Einschätzung müssen deshalb das Erscheinungsbild der Insekten, ihr Verhalten und die Veränderungen an der Pflanze gemeinsam betrachtet werden.
Untersuchungen an Hanf zeigen, dass die vorkommenden Blattzikadenarten je nach Region und Standort unterschiedlich sein können. Während einzelne Arten als Pflanzenschädlinge oder Überträger bestimmter Krankheitserreger bekannt sind, wurden andere lediglich auf Cannabis nachgewiesen. Ein Fund allein beweist weder eine Schädigung noch die Übertragung einer Pflanzenkrankheit. Dieser Ratgeber unterscheidet deshalb zwischen der bloßen Anwesenheit von Blattzikaden, nachweisbaren Saugschäden und den besonderen Risiken einzelner Arten.
Was sind Zikaden – und was unterscheidet Blattzikaden?
Zikaden gehören zu den Schnabelkerfen (Hemiptera) und werden traditionell in der Gruppe Auchenorrhyncha zusammengefasst. Dazu zählen zahlreiche Insektenfamilien mit unterschiedlichen Lebensweisen. Besonders artenreich sind die Blattzikaden (Cicadellidae), deren Vertreter mit stechend-saugenden Mundwerkzeugen Pflanzensäfte aufnehmen.
Der Begriff „Zikaden“ bezeichnet somit keine einzelne Insektenfamilie. Neben Blattzikaden gehören beispielsweise auch Schaumzikaden und weitere verwandte Gruppen dazu. Im Zusammenhang mit Cannabis stehen vor allem die Blattzikaden der Familie Cicadellidae im Mittelpunkt. Für verschiedene Vertreter liegen Nachweise an Hanf vor; bei einzelnen Arten sind zudem Saugschäden oder die Übertragung bestimmter Pflanzenkrankheiten wissenschaftlich dokumentiert. Allerdings lässt sich die Bedeutung einer Art als Schädling an anderen Kulturpflanzen nicht ohne Weiteres auf Cannabis übertragen.
Blattzikaden besitzen einen Stechrüssel, mit dem sie Pflanzengewebe anstechen und Flüssigkeit aufnehmen. Je nach Art erfolgt die Nahrungsaufnahme an unterschiedlichen Pflanzengeweben. Welche Folgen daraus entstehen, hängt unter anderem von der jeweiligen Blattzikadenart, der Wirtspflanze und der Befallsstärke ab. Während bestimmte Arten deutliche Blattveränderungen hervorrufen können, sagt selbst eine größere Zahl gefangener Tiere zunächst wenig über das tatsächliche Schadensausmaß aus.
Welche Blattzikadenarten kommen auf Cannabis vor?
Auf Cannabis beziehungsweise Hanf wurden verschiedene Blattzikadenarten aus der Familie Cicadellidae nachgewiesen. Ihre Bedeutung als Pflanzenschädlinge unterscheidet sich jedoch erheblich. Entscheidend ist, ob eine Art lediglich auf Cannabis gefunden wurde, die Pflanze tatsächlich zur Nahrungsaufnahme nutzt, sich dort entwickelt oder nachweisbare Schäden verursacht. Auch die regionale Verbreitung spielt bei der Einordnung eine wichtige Rolle.
|
Art oder Gruppe |
Vorkommen und Bedeutung an Hanf |
Einordnung |
|
Kartoffelblattzikade (Empoasca fabae) |
In Nordamerika als Schädling an Hanf beschrieben. Die Art kann durch ihre Saugtätigkeit Blattveränderungen verursachen. Besonders bekannt sind Schäden an Blattspitzen und Blatträndern, die als Hopperburn bezeichnet werden. |
Für die Beurteilung von Saugschäden relevant. Die nordamerikanische Verbreitung und Forschungslage dürfen nicht unmittelbar auf Europa übertragen werden. |
|
Weitere Empoasca-Arten |
Vertreter dieser Gattung kommen an verschiedenen Kulturpflanzen vor und können durch ihre Saugtätigkeit helle Blattflecken, Verfärbungen oder andere Gewebeschäden hervorrufen. Auch an Hanf wurden Vertreter der Gattung erfasst. |
Die Schadwirkung muss für die jeweilige Art und Wirtspflanze beurteilt werden. Nicht jede Empoasca-Art verursacht dasselbe Schadbild. |
|
Circulifer tenellus (Beet Leafhopper) |
Diese Blattzikade ist als Überträger des Beet Curly Top Virus (BCTV) bekannt. Das Virus wurde auch bei Cannabis beziehungsweise Hanf nachgewiesen. |
Vor allem im Zusammenhang mit Pflanzenkrankheiten relevant. Die Übertragungsfähigkeit dieser Art lässt sich nicht auf sämtliche Blattzikaden übertragen. |
|
Macrosteles-Arten und weitere Cicadellidae |
Verschiedene Vertreter wurden bei regionalen Erhebungen in Hanfbeständen erfasst. Je nach Art können unterschiedliche Wirtspflanzen und Lebensweisen vorliegen. |
Der Nachweis erwachsener Tiere allein belegt weder eine erfolgreiche Entwicklung auf Cannabis noch einen wirtschaftlich relevanten Schaden. |
|
Gelegentliche Besucher aus der Umgebung |
Erwachsene Blattzikaden können aus benachbarten Pflanzenbeständen, Wiesen oder anderer Vegetation auf Cannabis gelangen, ohne die Pflanze dauerhaft zu besiedeln. |
Einzelne Funde sollten zunächst beobachtet und eingeordnet werden. Wiederholte Nachweise, Nymphen und passende Pflanzenschäden liefern zusätzliche Hinweise auf eine mögliche Besiedlung. |
Untersuchungen aus Nordamerika, darunter die Arbeiten von Cranshaw und Kollegen, zeigen, dass in Hanfbeständen zahlreiche Blattzikadenarten vorkommen können. Allerdings nutzen nicht alle nachgewiesenen Arten Cannabis als eigentliche Wirtspflanze. Für europäische Bestände müssen deshalb die regional vorkommenden Arten berücksichtigt werden. Auch die umgangssprachliche Bezeichnung „grüne Zikade“ erlaubt keine zuverlässige Artbestimmung.
Wie sehen Blattzikaden aus?
Blattzikaden sind meist kleine, schlanke Insekten mit einer charakteristischen, häufig keilförmigen Körpergestalt. Sie besitzen gut entwickelte Hinterbeine, die bei vielen Arten schnelle Sprünge ermöglichen. Erwachsene Tiere tragen Flügel, die in Ruhestellung meist dachartig über dem Körper liegen. Je nach Art können Blattzikaden grün, gelblich, bräunlich oder unterschiedlich gemustert sein.
Die Körpergröße unterscheidet sich zwischen den Arten deutlich. Viele Blattzikaden, die an Kulturpflanzen auftreten, sind nur wenige Millimeter lang. Besonders auffällig ist ihr Bewegungsverhalten: Erwachsene Tiere springen bei Störungen häufig plötzlich davon oder fliegen auf. Die noch flügellosen Nymphen bewegen sich dagegen laufend über die Pflanze und können bei manchen Arten seitlich oder rückwärts ausweichen. Dieses Verhalten kann bei der ersten Einordnung helfen, ist jedoch kein eindeutiges Bestimmungsmerkmal.
Für eine genauere Untersuchung eignen sich eine Handlupe und möglichst scharfe Makroaufnahmen. Besonders hilfreich sind Details der Körperform, der Flügelzeichnung und der Hinterbeine. Da sich manche Arten äußerlich stark ähneln, ist eine sichere Bestimmung bis zur Art nicht immer anhand eines Fotos möglich. In solchen Fällen kann eine fachkundige Untersuchung erforderlich sein.

Nymphen und erwachsene Blattzikaden unterscheiden
Blattzikaden durchlaufen eine unvollständige Metamorphose und besitzen kein Puppenstadium. Aus den Eiern schlüpfen flügellose Nymphen, die sich über mehrere Häutungen zu erwachsenen, in der Regel flugfähigen Insekten entwickeln. Während dieses Prozesses verändern sich Körpergröße und Flügelanlagen schrittweise.
Bei vielen Blattzikadenarten werden die Eier direkt in das Pflanzengewebe abgelegt und bleiben deshalb bei einer gewöhnlichen Sichtkontrolle weitgehend verborgen. Die Nymphen ähneln bereits den erwachsenen Tieren, besitzen jedoch noch keine vollständig entwickelten Flügel. Werden auf einer Cannabispflanze wiederholt Nymphen unterschiedlicher Entwicklungsstadien gefunden, kann dies auf eine lokale Entwicklung hinweisen. Ein solcher Fund beweist allerdings noch nicht, dass Cannabis die bevorzugte Wirtspflanze der betreffenden Art ist.
Wie lange die Entwicklung vom Ei bis zum erwachsenen Tier dauert, hängt unter anderem von der Art, der Temperatur und weiteren Umweltbedingungen ab. Auch die Anzahl der Generationen pro Jahr und die jeweilige Überwinterungsstrategie unterscheiden sich. Eine allgemein gültige Entwicklungsdauer lässt sich für Blattzikaden deshalb nicht angeben.
Wo halten sich Blattzikaden auf Cannabis auf?
Blattzikaden können je nach Art und Entwicklungsstadium auf Blattoberseiten, Blattunterseiten und jungen Trieben vorkommen. Manche Tiere halten sich nur vorübergehend auf Cannabis auf und stammen aus der benachbarten Vegetation. Für eine aussagekräftige Kontrolle sollten deshalb verschiedene Pflanzenbereiche untersucht werden.
Am besten beginnt die Beobachtung, bevor die Pflanze berührt oder bewegt wird. Erwachsene Blattzikaden können bei Störungen blitzschnell abspringen oder auffliegen und dadurch leicht übersehen werden. Flügellose Nymphen bleiben dagegen häufig unauffällig auf den Blättern sitzen oder weichen seitlich aus. Besonders die Blattunterseiten verdienen Aufmerksamkeit. Werden an denselben Pflanzenbereichen wiederholt Tiere verschiedener Entwicklungsstadien entdeckt, liefert dies zusätzliche Hinweise auf eine mögliche Besiedlung.
Welche Schadbilder verursachen Blattzikaden bei Cannabis?
Die Saugtätigkeit bestimmter Blattzikaden kann helle Blattflecken, unregelmäßige Sprenkelungen und bei stärkerer Schädigung auch Verfärbungen oder abgestorbenes Gewebe verursachen. Welche Veränderungen tatsächlich auftreten, hängt von der jeweiligen Art, ihrem Ernährungsverhalten und der betroffenen Wirtspflanze ab. Ein einheitliches Schadbild für sämtliche Blattzikaden gibt es nicht.
Bei Arten, deren Saugtätigkeit einzelne Pflanzenzellen schädigt, können zunächst kleine, punktförmige Aufhellungen entstehen. Mit zunehmender Schädigung können sich diese Stellen zu größeren, unregelmäßig aufgehellten Blattbereichen verbinden. Andere Blattzikadenarten verursachen durch ihre Ernährungsweise eher Vergilbungen, Veränderungen an Blattspitzen oder Störungen des Pflanzenwachstums. Solche Symptome sind jedoch nicht für jede Art und nicht in gleicher Weise für Cannabis nachgewiesen.
Bei der Beurteilung sollte außerdem zwischen frischen und bereits länger bestehenden Schäden unterschieden werden. Einmal geschädigtes oder abgestorbenes Blattgewebe regeneriert sich in der Regel nicht vollständig. Sichtbare Flecken können deshalb bestehen bleiben, obwohl die verursachenden Insekten längst verschwunden sind. Ob ein Befall weiterhin aktiv ist, lässt sich besser anhand neuer Veränderungen und wiederholter Tierfunde beurteilen.
Nicht jede gelbe Blattspitze, jeder braune Blattrand oder jedes gesprenkelte Blatt weist auf Blattzikaden hin. Auch Nährstoffungleichgewichte, Trockenstress und andere Schädlinge können vergleichbare Veränderungen auslösen. Einen Überblick über mögliche Ursachen bietet unser Ratgeber zu Cannabis Pflanzenproblemen und Krankheiten.
Helle Punkte und feine Sprenkel auf Cannabisblättern
Kleine, helle Punkte gehören zu den möglichen frühen Anzeichen einer Schädigung durch bestimmte Blattzikadenarten. Die Aufhellungen können zunächst vereinzelt auftreten und bei schrägem Lichteinfall besonders deutlich sichtbar werden. Bei fortgesetzter Schädigung können zahlreiche Punkte zusammenfließen, sodass größere Blattbereiche blass oder unregelmäßig gesprenkelt erscheinen.
Allerdings sind solche Blattveränderungen keineswegs ausschließlich für Blattzikaden typisch. Insbesondere Spinnmilben können eine sehr ähnliche feine Punktierung verursachen. Für die weitere Einordnung sollten deshalb Blattoberseiten und Blattunterseiten gezielt auf lebende Schädlinge untersucht werden. Blattzikaden-Nymphen oder erwachsene Tiere unterscheiden sich deutlich von Milben und deren Eiern. Fehlt ein direkter Nachweis, bleibt die Ursache der hellen Flecken zunächst offen.
Hopperburn: Schäden an Blattspitzen und Blatträndern
Hopperburn bezeichnet ein charakteristisches Schadbild, das insbesondere im Zusammenhang mit der Kartoffelblattzikade Empoasca fabae bekannt ist. Betroffene Blätter können zunächst an den Spitzen und Rändern vergilben. Bei stärkerer Schädigung entwickeln sich braune, abgestorbene Gewebebereiche. Zusätzlich können sich die Blätter einrollen oder Wachstumsstörungen zeigen.
Hopperburn ist mehr als eine einfache punktförmige Saugschädigung. Untersuchungen an anderen Wirtspflanzen zeigen, dass die Nahrungsaufnahme von Empoasca fabae physiologische Veränderungen im Blattgewebe auslösen und den Transport von Assimilaten beeinträchtigen kann. Das Schadbild ist jedoch kein allgemeines Merkmal sämtlicher Blattzikaden. Auch dürfen Erkenntnisse aus Untersuchungen an Kartoffeln, Bohnen oder anderen Kulturpflanzen nicht ohne Einschränkung auf Cannabis übertragen werden.

Helle Sprenkel, vergilbte Blattspitzen oder braune Blattränder beweisen noch keinen Zikadenbefall. Aussagekräftiger ist die Kombination aus eindeutig erkennbaren Tieren, wiederholten Funden und neuen Schäden, die zur jeweiligen Art und ihrer Ernährungsweise passen.
Blattzikaden, Thripse oder Spinnmilben: So unterscheiden sie sich
Alle drei Schädlingsgruppen können helle Flecken auf Cannabisblättern hinterlassen. Ihre Körperform, Fortbewegung und zusätzliche Befallsspuren liefern jedoch wichtige Hinweise auf die Ursache. Die folgende Tabelle ist eine Diagnosehilfe und ersetzt bei unklaren Funden keine genaue Bestimmung.
|
Merkmal |
Blattzikaden |
Thripse |
Spinnmilben |
|
Typisches Aussehen |
Kleine, meist keilförmige Insekten mit kräftigen Sprungbeinen |
Schmale, längliche Insekten; häufig nur wenige Millimeter groß |
Winzige, meist ovale Spinnentiere; adulte Tiere mit acht Beinen |
|
Bewegung |
Springen bei Störung häufig abrupt davon; erwachsene Tiere können auch auffliegen |
Meist kriechend oder laufend; geflügelte Tiere können auffliegen |
Langsam kriechend; weder springend noch fliegend |
|
Fundstellen |
Blattober- und -unterseiten sowie Triebe, je nach Art |
Blätter, junge Triebe und geschützte Pflanzenbereiche |
Vor allem Blattunterseiten, bei stärkerem Befall weitere Bereiche |
|
Schadbild |
Je nach Art helle Punkte oder Vergilbungen; artspezifisch auch Hopperburn |
Silbrige, streifige oder unregelmäßige Saugschäden |
Feine helle Sprenkel; später teils flächige Aufhellungen |
|
Weitere Spuren |
Keine selbst erzeugten Gespinste als typisches Befallsmerkmal |
Kleine dunkle Kotpunkte können die Diagnose unterstützen |
Bei Gespinstspinnmilben können feine Gespinste auftreten |
|
Beste Kontrolle |
Körperform, Sprungverhalten und Nymphen prüfen |
Schmale Tiere und mögliche dunkle Kotpunkte suchen |
Blattunterseiten mit einer Lupe auf Milben und Eier prüfen |
Entdeckst du sehr schmale Insekten und kleine dunkle Kotpunkte, hilft unser Ratgeber zu Thripsen bei der weiteren Einordnung. Findest du dagegen winzige, langsam kriechende Tiere, Eier oder feine Gespinste, bietet der Artikel über Spinnmilben an Cannabis zusätzliche Vergleichsmerkmale.
Auch Weiße Fliegen können beim Berühren der Pflanze auffliegen. Erwachsene Tiere sind meist weißlich und wirken durch ihre bepuderten Flügel anders als die überwiegend keilförmigen Blattzikaden. Das Auffliegen allein ist deshalb kein sicheres Unterscheidungsmerkmal.
Woran erkennt man einen aktiven Blattzikadenbefall?
Eine einzelne erwachsene Blattzikade auf Cannabis bedeutet noch keinen etablierten Befall. Wichtiger sind wiederholte Funde, das Auftreten von Nymphen und neue Schäden, die sich mit der betreffenden Art in Verbindung bringen lassen.
Untersuche mehrere Pflanzen und fotografiere auffällige Blattbereiche möglichst unter ähnlichen Lichtbedingungen. Prüfe nach einigen Tagen, ob neue Verfärbungen oder weitere Tiere hinzugekommen sind. Beobachte außerdem, ob Blattzikaden nur gelegentlich aus der Umgebung zufliegen oder regelmäßig an denselben Pflanzen sitzen. Fehlende Nymphen schließen eine Besiedlung nicht sicher aus; ein einzelner Fund eines erwachsenen Tieres bleibt jedoch wenig aussagekräftig.
Leite Maßnahmen nicht allein aus einem unspezifischen Blattfleck oder einem einzelnen Insektenfund ab. Wiederholte Kontrollen helfen dabei, zufällige Besucher von einer anhaltenden Besiedlung zu unterscheiden.
Wie verbreiten sich Blattzikaden?
Erwachsene Blattzikaden sind mobil und können aus Wiesen, Hecken, Wildpflanzenbeständen oder benachbarten Kulturen zufliegen. Deshalb können auf Cannabis auch Arten auftauchen, die diese Pflanze nur vorübergehend nutzen oder sich dort nicht erfolgreich entwickeln.
Einige Blattzikaden nutzen zahlreiche Wirtspflanzen, andere sind auf bestimmte Pflanzenfamilien oder Arten spezialisiert. Welche Vegetation als Ausgangspunkt dient, hängt deshalb von der Blattzikadenart und den regionalen Bedingungen ab. Auch mit neu eingebrachten Pflanzen können Tiere oder Eier eingeschleppt werden.
Je nach Art und Klima können Blattzikaden in unterschiedlichen Entwicklungsstadien überwintern oder ganzjährig aktiv sein. Ihre jahreszeitliche Häufigkeit variiert entsprechend stark. Ein pauschaler Befallskalender für Cannabis wäre daher wenig zuverlässig; sinnvoller sind Beobachtungen der örtlichen Aktivität.
Blattzikaden im Freiland, Gewächshaus und Indoor-Anbau
Im Freiland können Blattzikaden zwischen Wildpflanzen, Wiesen und Kulturpflanzen wechseln. Einzelne Funde an Cannabis sind deshalb nicht ungewöhnlich. Ob daraus eine dauerhafte Besiedlung oder ein relevanter Schaden entsteht, muss gesondert beurteilt werden.
Wiesen, Hecken und andere Pflanzenbestände können sowohl Blattzikaden als auch deren natürliche Gegenspieler beherbergen. Eine vollständige Entfernung der Begleitvegetation ist deshalb keine pauschal sinnvolle Maßnahme. Entscheidend sind die tatsächlich vorkommenden Arten und die Bedingungen am Standort.
In ein Gewächshaus können flugfähige Blattzikaden über Türen und Lüftungsöffnungen gelangen. Geeignete Insektenschutznetze können den Zuflug verringern, müssen aber mit einer ausreichenden Belüftung vereinbar sein. In geschlossenen Indoor-Räumen ist der direkte Zuflug meist begrenzt; neu eingebrachte Pflanzen bleiben dennoch eine mögliche Einschleppungsquelle.
Weitere typische Freilandschädlinge und ihre Unterscheidungsmerkmale behandeln wir im Ratgeber zu Outdoor-Schädlingen bei Cannabis. Dieser Abschnitt konzentriert sich auf das Erkennen und Einordnen von Blattzikaden.
Können Blattzikaden Krankheiten auf Cannabis übertragen?
Bestimmte Blattzikaden sind als Überträger von Pflanzenpathogenen bekannt. Entscheidend ist aber die konkrete Kombination aus Insektenart, Erreger und Wirtspflanze. Dass eine Zikadenart einen Erreger an anderen Kulturpflanzen überträgt, bedeutet nicht automatisch, dass sie ihn auch auf Cannabis übertragen kann.
Ein wichtiger Forschungsgegenstand ist das Beet Curly Top Virus (BCTV), das durch bestimmte Blattzikaden übertragen werden kann. Zu den bekannten Überträgern gehört Circulifer tenellus (Beet Leafhopper). Wissenschaftliche Untersuchungen aus New Mexico befassen sich ausdrücklich mit dem Zusammenspiel zwischen dieser Blattzikadenart, Hanf und BCTV. Damit ist die mögliche Übertragung von Pflanzenviren bei Cannabis ein konkretes Forschungsthema und nicht lediglich eine Vermutung aufgrund von Beobachtungen an anderen Kulturpflanzen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Blattzikade auf Cannabis ein Krankheitsüberträger ist. Auch helle Blattpunkte oder Wachstumsstörungen beweisen keine Virusinfektion: Ähnliche Symptome können durch Saugschäden, Nährstoffprobleme oder Umweltstress entstehen. Ein zuverlässiger Erregernachweis erfordert geeignete diagnostische Untersuchungen.
Auch bei Berichten über Phytoplasmen oder Spiroplasmen an Cannabis ist eine wichtige Unterscheidung nötig: Der Nachweis eines Erregers in einer Pflanze belegt noch nicht, welche Insektenart ihn übertragen hat. Dafür sind gesonderte Untersuchungen des Übertragungswegs erforderlich.
Zikaden bei Cannabis: Maßnahmen bei einem bestätigten Befall
Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt von der Blattzikadenart, der Entwicklung neuer Schäden und dem tatsächlichen Befallsumfang ab. Einzelne zugeflogene Tiere ohne erkennbare neue Schäden sind zunächst eher ein Anlass zur Kontrolle als zur sofortigen Bekämpfung.
Treten dagegen wiederholt Nymphen oder erwachsene Tiere zusammen mit neuen, passenden Schäden auf, sollte der Befund dokumentiert und die Verteilung im Bestand geprüft werden. In kleinen Beständen lassen sich einzelne Tiere gegebenenfalls mechanisch entfernen. Bei mobilen erwachsenen Blattzikaden ist der Nutzen allerdings begrenzt. Entscheidend bleibt, ob die Zahl der Tiere und die frischen Schäden bei weiteren Kontrollen zunehmen.
Monitoring: Sichtkontrolle, Streifnetz und Gelbtafeln
Die wichtigste Grundlage ist die regelmäßige Sichtkontrolle von Blättern und Trieben. In Freilandbeständen können Streifnetze bei fachgerechter Anwendung helfen, mobile Insekten aus der Vegetation zu erfassen. Gelbtafeln liefern ergänzende Hinweise auf fliegende Tiere, fangen jedoch zahlreiche andere Insekten mit. Ohne Bestimmung und Pflanzenkontrolle lässt sich daraus kein schädigender Blattzikadenbefall ableiten.
Gelbtafeln sind daher vor allem ein Hilfsmittel zur Beobachtung, keine verlässliche alleinige Bekämpfungsmethode. Zudem können auch Nützlinge daran haften bleiben. Ob sich Nymphen auf den Pflanzen entwickeln und neue Schäden auftreten, muss direkt am Bestand überprüft werden. Für aussagekräftige Vergleiche sollten Kontrollstellen und Vorgehensweise möglichst konstant bleiben.
Natürliche Gegenspieler und biologische Kontrolle
Blattzikaden werden in natürlichen Lebensräumen unter anderem von räuberischen Insekten und Spinnen erbeutet. Hinzu kommen Parasitoide, die bestimmte Entwicklungsstadien einzelner Arten nutzen. Daraus lässt sich jedoch keine allgemeine Empfehlung für einen bestimmten Nützling gegen Blattzikaden auf Cannabis ableiten.
Die Förderung natürlicher Gegenspieler kann Bestandteil eines integrierten Pflanzenschutzes sein. Eine gezielte Freilassung ist dagegen nur sinnvoll, wenn die Wirksamkeit gegen die betreffende Blattzikadenart unter vergleichbaren Bedingungen belegt ist. Nützlinge, die für Thripse, Blattläuse oder Weiße Fliegen angeboten werden, sind nicht automatisch auch gegen Blattzikaden geeignet.
Pflanzenschutzmittel und Rückstände
Ob ein Pflanzenschutzmittel verwendet werden darf, richtet sich nach den geltenden Vorschriften und seiner konkreten Zulassung für Kultur und Anwendungsgebiet. Bei Cannabis und Hanf können zusätzliche Einschränkungen gelten. Besonders bei zur Nutzung vorgesehenen Blüten sind mögliche Rückstände zu berücksichtigen.
Deshalb verzichten wir auf pauschale Empfehlungen zu Wirkstoffen, Hausmitteln oder Anwendungen auf Blüten. Ein für eine andere Kultur zugelassenes Mittel ist nicht automatisch für Cannabis zulässig oder geeignet. Vorrang haben eine möglichst genaue Bestimmung, die Beobachtung der Schadensentwicklung und rechtlich zulässige, verhältnismäßige Maßnahmen.
Für viele Blattzikadenarten an Cannabis sind keine ausreichend abgesicherten Schadensschwellen verfügbar. Eine feste Zahl von Tieren pro Blatt als allgemeine Behandlungsgrenze wäre deshalb nicht belastbar.
Wie lassen sich Blattzikaden vorbeugen?
Vorbeugung beginnt mit regelmäßigen Kontrollen und einer sorgfältigen Prüfung neu eingebrachter Pflanzen. Ein gut zugänglicher Bestand erleichtert es, Nymphen, erwachsene Tiere und neue Blattveränderungen frühzeitig zu erkennen.
Neue Pflanzen sollten vor dem Einbringen in bestehende Bestände auf Insekten und auffällige Blattveränderungen untersucht werden. Im Gewächshaus können geeignete Insektenschutznetze die Einwanderung reduzieren, sofern Belüftung und andere Anforderungen berücksichtigt werden. Im Freiland ist eine vollständige Abschirmung meist kaum praktikabel. Hier kommt es besonders auf regelmäßige Kontrollen und die Beobachtung der umgebenden Vegetation an.
Ob eine Maßnahme erfolgreich war, zeigt sich nicht daran, dass alte Blattflecken verschwinden. Geschädigtes Gewebe bleibt häufig dauerhaft verändert. Aussagekräftiger sind ausbleibende neue Schäden und rückläufige Funde lebender Blattzikaden oder Nymphen.
FAQ: Häufige Fragen zu Zikaden bei Cannabis
Wie erkennt man Zikaden bei Cannabis?
Blattzikaden sind meist kleine, häufig keilförmige Insekten. Erwachsene Tiere springen bei Störung oft weg oder fliegen auf. Für die Einordnung sind außerdem Nymphen und neu auftretende, passende Blattveränderungen wichtig.
Sind alle Zikaden auf Cannabis Schädlinge?
Nein. Manche Arten halten sich nur vorübergehend auf Hanf auf. Ein einzelnes erwachsenes Tier belegt weder eine Vermehrung auf Cannabis noch einen relevanten Pflanzenschaden.
Wie sehen Zikaden-Nymphen aus?
Nymphen ähneln in der Grundform den erwachsenen Blattzikaden, besitzen aber noch keine voll entwickelten Flügel. Bei einigen Arten bewegen sie sich auffällig seitlich über Blätter.
Warum haben Cannabisblätter helle Punkte?
Mögliche Ursachen sind unter anderem Blattzikaden, Thripse und Spinnmilben, aber auch andere Pflanzenprobleme. Die Punktierung allein erlaubt keine sichere Zuordnung.
Was bedeutet Hopperburn?
Hopperburn bezeichnet ein Schadbild mit Vergilbungen und späteren braunen, abgestorbenen Bereichen an Blattspitzen oder -rändern. Es ist insbesondere von Empoasca fabae bekannt, aber kein allgemeines Merkmal aller Blattzikaden.
Können Blattzikaden Pflanzenkrankheiten übertragen?
Bestimmte Arten können Pathogene übertragen. Bei Hanf ist insbesondere die Forschung zu Circulifer tenellus und dem Beet Curly Top Virus relevant. Nicht jede Zikade ist ein Vektor für Cannabispathogene.
Sind Zikaden vor allem im Outdoor-Anbau relevant?
Im Freiland können adulte Blattzikaden aus benachbarter Vegetation einwandern. Auch Gewächshäuser können betroffen sein. Das tatsächliche Risiko hängt von Region, Art und Anbaubedingungen ab.
Helfen Gelbtafeln gegen Blattzikaden?
Gelbtafeln können fliegende Insekten erfassen und beim Monitoring helfen. Sie ersetzen weder die Bestimmung der Art noch die Kontrolle von Nymphen und frischen Schäden.
Was tun, wenn nur eine einzelne Zikade gefunden wird?
Zunächst das Tier möglichst dokumentieren, die Pflanze auf Nymphen und neue Schäden prüfen und später erneut kontrollieren. Ein Einzelbefund ohne Schäden rechtfertigt nicht automatisch eine Behandlung.
Fazit: Zikadenbefall richtig einschätzen
Blattzikaden kommen auch auf Cannabis vor, doch nicht jeder Fund bedeutet einen schädigenden Befall. Entscheidend sind die beteiligte Art, wiederholte Beobachtungen, mögliche Nymphen und die Entwicklung frischer, dazu passender Schäden.
Für die Diagnose ist vor allem die Abgrenzung zu Thripsen, Spinnmilben und nicht durch Insekten verursachten Blattproblemen wichtig. Wer Tiere und Schadensverlauf dokumentiert, kann gezielter handeln und unnötige Eingriffe vermeiden. Auch das Risiko einer Erregerübertragung muss artspezifisch beurteilt werden: Nicht jede Blattzikade ist ein Überträger von Pflanzenkrankheiten auf Cannabis.
Quellen & weiterführende Literatur
Cranshaw W. et al. (2019): Developing Insect Pest Management Systems for Hemp in the United States: A Work in Progress. Journal of Integrated Pest Management 10(1), 26. Grundlegender Überblick über Arthropoden an Hanf, darunter Blattzikaden und die Unterscheidung von Besuchern und Schädlingen.
Agriculture and Agri-Food Canada: Leafhoppers – Hemp Pest Factsheet. Fachinformation zu Blattzikaden an Hanf, Symptomen, Monitoring und IPM.
Utah State University Extension: Potato Leafhopper in Hemp. Praxisbezogene Einordnung von Empoasca fabae, Schadensrisiko und Monitoring.
Pacific Northwest Pest Management Handbooks: Hemp – Leafhoppers. Artenbezogene Hinweise und Vektorrelevanz.
University of New Hampshire Extension: Hemp Pests in New Hampshire. Übersicht zu Hanfschädlingen einschließlich Blattzikaden.
Fachpublikation (2023): Interactions of Beet Leafhopper and Hemp in New Mexico. Untersuchung zur Beziehung zwischen Hanf, Circulifer tenellus und Beet Curly Top Virus.
Journal of Integrated Pest Management (2026): Sap-sucking Insects Associated with Medicinal Cannabis. Neuere Beobachtungen an medizinischem Cannabis und Einordnung adulter Besucher.
USDA Agricultural Research Service (2026): Publication on phytoplasma and Spiroplasma in cannabis. Erregernachweise; keine pauschale Aussage über den Übertragungsweg durch einzelne Zikadenarten.
