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Breitmilben bei Cannabis: Symptome & Diagnose

Breitmilben bei Cannabis: winzig, versteckt und leicht zu verwechseln

Aktualisiert: Oktober 2026 | Breitmilben bei Cannabis: Symptome, Schadbild, Diagnose, Ausbreitung, Bekämpfung und Prävention.
Autor: Cannapot Grow Team | Lesezeit: ungefähr zwanzig Minuten

Breitmilben bei Cannabis mit deformiertem Neuwuchs als möglichem Schadbild

Das Wichtigste auf einen Blick

✓ Die Breitmilbe Polyphagotarsonemus latus, international als Broad Mite bekannt, ist eine winzige pflanzenfressende Milbe aus der Familie der Tarsonemidae. Sie befällt zahlreiche Wirtspflanzen und wird auch als Schädling an Cannabis beziehungsweise Hanf beschrieben.

✓ Erwachsene Breitmilben sind nur etwa 0,1 bis 0,2 Millimeter groß und mit bloßem Auge kaum zuverlässig zu bestimmen. Für eine sichere Identifikation ist daher eine ausreichende Vergrößerung mit Lupe, Mikroskop oder Digitalmikroskop erforderlich.

✓ Ein Befall kann sich besonders am jungen Pflanzengewebe zeigen: deformierte oder gekräuselte Blätter, gestauchter Neuwuchs, geschädigte Triebspitzen und Wachstumsstörungen sind mögliche Hinweise. Das Schadbild allein beweist jedoch keinen Breitmilbenbefall.

✓ Ein besonders hilfreiches Diagnosemerkmal sind die Eier. Sie sind transparent bis farblos, oval und besitzen charakteristische weißliche Erhebungen auf ihrer Oberfläche. Unter ausreichender Vergrößerung lassen sie sich dadurch von den Eiern anderer Milben unterscheiden.

✓ Breitmilben sind nicht dasselbe wie Hanf-Rostmilben oder Spinnmilben. Da sich einzelne Symptome überschneiden können, sollten für die Diagnose Schadbild, befallene Pflanzenbereiche sowie Tiere und Eier unter Vergrößerung gemeinsam beurteilt werden.

Kräuseln oder verdrehen sich die jüngsten Blätter einer Cannabispflanze, bleiben neue Triebe ungewöhnlich klein oder gerät das Wachstum ins Stocken, kommen verschiedene Ursachen infrage. Eine davon sind Breitmilben. Der Schädling ist besonders tückisch, weil die winzigen Tiere mit bloßem Auge kaum zuverlässig zu erkennen sind. Häufig fällt deshalb zuerst der geschädigte Neuwuchs auf – und nicht die Milbe selbst.

Die Breitmilbe trägt den wissenschaftlichen Namen Polyphagotarsonemus latus und wird international als Broad Mite bezeichnet. Sie gehört zur Familie der Tarsonemidae und besitzt ein sehr breites Wirtsspektrum. Neben zahlreichen Gemüse-, Obst- und Zierpflanzen wird die Art auch als Schädling an Cannabis beziehungsweise Hanf beschrieben.

Das Schadbild allein reicht jedoch nicht für eine sichere Diagnose. Deformierter Neuwuchs ist kein Beweis für Breitmilben. Ähnliche Veränderungen können unter anderem durch Hanf-Rostmilben, Thripse, Probleme mit der Nährstoffversorgung oder dem pH-Wert, Wurzelstress, Hitze und zu intensive Beleuchtung entstehen. Einen Überblick über mögliche Ursachen bietet unser Guide zu Cannabis Pflanzenproblemen & Krankheiten.

Bei der Bewertung wissenschaftlicher Erkenntnisse ist außerdem eine wichtige Einschränkung zu beachten: Polyphagotarsonemus latus wurde an zahlreichen Kulturpflanzen ausführlich untersucht, die veröffentlichte Forschung speziell zu Breitmilben an Cannabis und Hanf ist dagegen deutlich begrenzter. In diesem Guide unterscheiden wir deshalb zwischen allgemeinen Erkenntnissen zur Biologie der Breitmilbe und Beobachtungen, die ausdrücklich für Cannabis oder Hanf dokumentiert wurden.

Was sind Breitmilben?
Breitmilben sind winzige pflanzenfressende Milben aus der Familie der Tarsonemidae. Polyphagotarsonemus latus ist weltweit verbreitet und kann eine große Zahl unterschiedlicher Wirtspflanzen besiedeln. Gerade junge und noch wachsende Pflanzenteile können durch die Saugtätigkeit der Milben geschädigt werden.

Für den Cannabisanbau ist vor allem die geringe Größe der Tiere problematisch. Einzelne Breitmilben können leicht übersehen werden, während Veränderungen am jungen Pflanzengewebe bereits sichtbar sind. Dadurch kann ein Befall zunächst wie ein Problem mit Nährstoffen, pH-Wert oder Umweltbedingungen wirken.

Nicht verwechselt werden sollte Polyphagotarsonemus latus mit der Hanf-Rostmilbe Aculops cannabicola. Beide Schädlinge sind äußerst klein und können ähnliche Veränderungen am jungen Pflanzengewebe hervorrufen. Es handelt sich jedoch um unterschiedliche Milbenarten: Breitmilben gehören zur Familie der Tarsonemidae, Hanf-Rostmilben zu den Eriophyidae. Unter ausreichender Vergrößerung lassen sie sich unter anderem anhand ihrer Körperform und weiterer mikroskopischer Merkmale voneinander unterscheiden.

Wie sehen Breitmilben aus?
Breitmilben sind winzige, ovale Milben, deren erwachsene Tiere nur ungefähr 0,1 bis 0,2 Millimeter groß werden. Weibchen sind mit etwa 0,17 bis 0,20 Millimetern größer als die ungefähr 0,11 Millimeter langen Männchen. Die Tiere erscheinen je nach Entwicklungsstadium und Beobachtung transparent, blassgelb bis gelblich-grün und sind mit bloßem Auge kaum zuverlässig zu bestimmen.

Erwachsene Breitmilben besitzen vier Beinpaare. Damit unterscheiden sie sich deutlich von adulten Hanf-Rostmilben, die nur zwei Beinpaare im vorderen Körperbereich besitzen. Auch die Körperform hilft bei der Unterscheidung unter ausreichender Vergrößerung: Breitmilben wirken kompakt und oval, während Hanf-Rostmilben auffallend schmal, langgestreckt und annähernd wurmförmig sind.

Merkmal

Breitmilbe

Wissenschaftlicher Name

Polyphagotarsonemus latus

Familie

Tarsonemidae

Größe adulter Tiere

Weibchen etwa 0,17–0,20 mm, Männchen etwa 0,11 mm

Körperform

kompakt und oval

Färbung

transparent bis blassgelb oder gelblich-grün

Beinpaare adulter Tiere

vier

Gespinste

keine

Schematische Makrodarstellung der Breitmilbe Polyphagotarsonemus latus

Warum sind Breitmilben so schwer zu erkennen?
Das größte Problem bei der Suche nach Breitmilben ist ihre geringe Größe. Selbst mehrere Tiere auf einem jungen Blatt können bei einer normalen Sichtkontrolle unbemerkt bleiben. Deutlich leichter zu entdecken sind beispielsweise ausgewachsene Spinnmilben. Breitmilben bilden außerdem keine Gespinste, die bei einem stärkeren Spinnmilbenbefall ein auffälliger Hinweis sein können.

Eine gute Handlupe kann bei der ersten Kontrolle helfen. Für die zuverlässige Beurteilung der winzigen Tiere und insbesondere ihrer diagnostisch wertvollen Eier ist jedoch eine stärkere Vergrößerung mit einem geeigneten Mikroskop oder Digitalmikroskop sinnvoll. Dabei sollten vor allem junge Blätter, Blattunterseiten und auffällige Triebspitzen untersucht werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass Breitmilben bevorzugt an jungem, aktiv wachsendem Pflanzengewebe vorkommen. Dort können Blätter noch eng zusammenliegen oder nicht vollständig entfaltet sein. Die Tiere und ihre Eier befinden sich dadurch ausgerechnet in Bereichen, die bei einer oberflächlichen Kontrolle leicht übersehen werden.

Breitmilben-Eier: eines der wichtigsten Diagnosemerkmale
Die Eier von Polyphagotarsonemus latus besitzen eine charakteristische Oberflächenstruktur, die bei der Bestimmung besonders hilfreich ist. Sie sind oval bis elliptisch, transparent beziehungsweise farblos und nur ungefähr 0,08 Millimeter lang.

Auf ihrer Oberfläche befinden sich zahlreiche weißliche Erhebungen. In der Fachliteratur werden diese Strukturen als Tuberkel beschrieben. Für ein Ei werden etwa 29 bis 37 solcher weißlichen Erhebungen angegeben. Unter ausreichender Vergrößerung entsteht dadurch ein charakteristisches Muster, das bei der Unterscheidung von anderen winzigen Milben besonders hilfreich ist.

Die Eier werden häufig an der Unterseite junger Blätter abgelegt. Bei einem Verdacht sollte deshalb nicht ausschließlich nach beweglichen Milben gesucht werden. Gerade die Kombination aus ovaler Eiform und charakteristisch strukturierter Oberfläche kann einen wichtigen Hinweis auf Polyphagotarsonemus latus liefern.

Besonders wichtig für die Diagnose
Verdächtigen Neuwuchs finden → junge Blätter und Blattunterseiten untersuchen → nach Milben und Eiern suchen → charakteristische Eioberfläche prüfen

Ein gekräuseltes oder deformiertes Blatt allein beweist keinen Breitmilbenbefall. Werden dagegen passende Breitmilben und die charakteristisch strukturierten Eier gefunden, wird der Verdacht wesentlich belastbarer. Die Eier gehören deshalb zu den wertvollsten Merkmalen bei der mikroskopischen Untersuchung.

Breitmilben Ei von Polyphagotarsonemus latus mit charakteristischen weißlichen Erhebungen

Vom Ei zur erwachsenen Breitmilbe
Die Entwicklung von Polyphagotarsonemus latus verläuft vom Ei über ein bewegliches Larvenstadium und eine unbewegliche Ruhephase bis zum erwachsenen Tier. Die Larven besitzen drei Beinpaare, adulte Breitmilben dagegen vier. Aufgrund ihrer geringen Größe können nicht nur die Larven, sondern auch die unbeweglichen Entwicklungsstadien bei einer oberflächlichen Kontrolle leicht übersehen werden.

Wie schnell sich eine neue Generation entwickelt, hängt unter anderem von Temperatur und Wirtspflanze ab. Untersuchungen an verschiedenen Kulturpflanzen zeigen, dass der Entwicklungszyklus unter günstigen Bedingungen sehr schnell ablaufen kann. Dadurch können aus einem zunächst kleinen Befall innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit deutlich größere Populationen entstehen.

Konkrete Angaben zur Entwicklungsdauer sollten dennoch nicht ungeprüft auf Cannabis übertragen werden. Viele detaillierte Untersuchungen zur Biologie von Polyphagotarsonemus latus wurden an anderen Wirtspflanzen durchgeführt. Für die Praxis ist deshalb regelmäßiges Monitoring wichtiger als die Annahme eines festen, unter allen Bedingungen identischen Lebenszyklus.

Wo sitzen Breitmilben auf der Cannabispflanze?
Breitmilben bevorzugen junges und aktiv wachsendes Pflanzengewebe. Bei einer Kontrolle sollten deshalb vor allem Triebspitzen, junge Blätter, Blattunterseiten und noch nicht vollständig entfaltete Pflanzenteile untersucht werden. Auch die charakteristischen Eier finden sich häufig auf der Unterseite junger Blätter.

Wer einen Befall vermutet, sollte sich daher nicht ausschließlich auf große ältere Fächerblätter konzentrieren. Besonders interessant sind Bereiche, in denen sich neuer Wuchs gerade entfaltet oder bereits erste Verformungen sichtbar werden. Da die Tiere extrem klein und nicht immer gleichmäßig auf der Pflanze verteilt sind, sollten mehrere verdächtige Stellen kontrolliert werden.

Damit unterscheidet sich die Suche teilweise von einem typischen Befall mit Spinnmilben. Dort können eine feine helle Punktierung der Blätter und bei stärkerem Befall Gespinste auffallen. Bei Breitmilben stehen dagegen Veränderungen des jungen Wachstums und die gezielte Untersuchung dieser Bereiche unter Vergrößerung stärker im Vordergrund.

Welche Symptome verursachen Breitmilben bei Cannabis?
Ein möglicher Breitmilbenbefall fällt häufig zuerst durch Veränderungen am jungen Pflanzengewebe auf. Für Polyphagotarsonemus latus werden an verschiedenen Wirtspflanzen deformierte, gekräuselte oder verhärtete junge Blätter, gestauchtes Wachstum, Verfärbungen und geschädigte Wachstumspunkte beschrieben.

Bei Cannabis können ungewöhnlich kleine, verdrehte oder gekräuselte neue Blätter einen ersten Verdacht begründen. Triebspitzen können gestaucht wirken, junge Blätter sich nur unvollständig entfalten und das weitere Wachstum kann deutlich gebremst erscheinen. Mit zunehmender Schädigung sind auch gelbliche bis bronzefarbene Veränderungen möglich.

Keines dieser Symptome ist jedoch spezifisch für Breitmilben. Ähnliche Veränderungen können durch andere Schädlinge, aber auch durch Probleme mit Nährstoffen, pH-Wert, Wurzeln oder Umweltbedingungen entstehen. Das Schadbild grenzt die möglichen Ursachen daher nur ein – es ersetzt nicht den direkten Nachweis der Milben oder ihrer charakteristischen Eier.

Deformierter junger Neuwuchs an Cannabis als mögliches Schadbild eines Breitmilbenbefalls

Die wichtigste Regel bei verdächtigem Neuwuchs
Schadbild prüfen → junge Triebe gezielt untersuchen → Milben oder Eier nachweisen → erst dann Ursache festlegen

Verkrüppelte, verdrehte oder gekräuselte junge Blätter sind ein Warnsignal, aber keine Diagnose. Bevor die Düngung verändert, der pH-Wert korrigiert oder eine Behandlung gegen Schädlinge begonnen wird, sollte deshalb möglichst geklärt werden, was tatsächlich hinter dem veränderten Neuwuchs steckt.

Breitmilben sicher diagnostizieren
Eine belastbare Diagnose kombiniert Schadbild, Befallsort und die Untersuchung unter ausreichender Vergrößerung. Zunächst sollte geprüft werden, welche Pflanzenteile betroffen sind und ob sich die Veränderungen vor allem am jungen Neuwuchs und an den Triebspitzen zeigen. Anschließend werden verdächtige Blätter, insbesondere ihre Unterseiten, systematisch untersucht.

Gesucht werden die winzigen ovalen Breitmilben sowie ihre charakteristisch strukturierten Eier. Ein einzelnes unauffälliges Blatt reicht dabei nicht aus, um einen Befall auszuschließen. Tiere und Eier können ungleichmäßig verteilt sein. Sinnvoll ist deshalb, mehrere auffällige Triebspitzen und Blätter zu kontrollieren und bei mehreren Pflanzen auch verschiedene Exemplare in die Untersuchung einzubeziehen.

Die direkte Untersuchung hilft gleichzeitig bei der Abgrenzung zu anderen Milben. Langgestreckte, annähernd wurmförmige Tiere mit nur zwei Beinpaaren sprechen eher für Hanf-Rostmilben. Deutlich größere Milben in Verbindung mit heller Blattpunktierung und später möglicherweise Gespinsten passen dagegen eher zu Spinnmilben. Gerade weil sich die Schadbilder überschneiden können, ist diese Unterscheidung für die weitere Vorgehensweise entscheidend.

Wie können sich Breitmilben verbreiten?
Breitmilben können mit befallenem Pflanzenmaterial in einen Bestand gelangen und sich von dort auf weitere Pflanzen ausbreiten. Besonders neu eingebrachte Pflanzen oder Stecklinge verdienen deshalb Aufmerksamkeit. Aufgrund der winzigen Tiere und Eier kann ein Befall vorhanden sein, bevor deutliche Schäden auffallen.

Für Polyphagotarsonemus latus ist außerdem sogenannte Phoresie beschrieben: Die Milben können andere kleine Insekten als Transportmittel nutzen. Wissenschaftlich dokumentiert ist unter anderem der Transport durch Weiße Fliegen. Wie bedeutend dieser Mechanismus unter konkreten Bedingungen im Cannabisanbau ist, lässt sich daraus jedoch nicht pauschal ableiten.

Unabhängig vom Anbausystem ist deshalb entscheidend, neue Pflanzen aufmerksam zu kontrollieren und verdächtige Exemplare nicht sofort zwischen bereits etablierte Pflanzen zu stellen. Das gilt für den Indoor-Anbau von Cannabis ebenso wie für Pflanzen im Gewächshaus.

Was tun bei einem bestätigten Breitmilbenbefall?
Wurde ein Befall bestätigt, sollte zunächst verhindert werden, dass sich die Milben weiter im Pflanzenbestand verteilen. Befallene oder stark verdächtige Pflanzen sollten nach Möglichkeit von unauffälligen Pflanzen getrennt werden. Anschließend sollten benachbarte Pflanzen ebenfalls sorgfältig untersucht werden, auch wenn dort noch keine deutlichen Symptome sichtbar sind.

Stark geschädigtes Pflanzenmaterial kann je nach Situation entfernt werden. Werkzeuge, Arbeitsflächen und andere Gegenstände, die mit befallenen Pflanzen in Kontakt gekommen sind, sollten sauber gehalten beziehungsweise gereinigt werden. Entscheidend ist außerdem die Nachkontrolle: Eine einmalige Maßnahme sagt noch nicht, ob sämtliche Entwicklungsstadien erfasst wurden.

Bei bestätigtem Befall systematisch vorgehen
Befall bestätigen → betroffene Pflanzen trennen → Nachbarpflanzen kontrollieren → Maßnahmen durchführen → anschließend weiter überwachen

Gerade weil Eier und winzige Entwicklungsstadien leicht übersehen werden können, sollte der Erfolg einer Maßnahme nicht ausschließlich danach beurteilt werden, ob unmittelbar danach keine beweglichen Milben mehr sichtbar sind.

Biologische Bekämpfung mit Raubmilben
Zur biologischen Kontrolle von Polyphagotarsonemus latus wurden verschiedene räuberische Milben untersucht. Dazu gehören unter anderem Amblyseius swirskii und Neoseiulus cucumeris. Für diese Nützlinge liegen wissenschaftliche Untersuchungen zur Kontrolle von Breitmilben auf anderen Kulturpflanzen vor.

Diese Ergebnisse sind für das Verständnis biologischer Bekämpfungsstrategien relevant, dürfen jedoch nicht automatisch als identische Wirksamkeitsdaten für Cannabis interpretiert werden. Erfolg und Geschwindigkeit einer biologischen Kontrolle können unter anderem von Befallsstärke, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Pflanzenstruktur und dem eingesetzten Nützling abhängen.

Bei Pflanzenschutzmitteln gilt ebenfalls: Entscheidend sind die am jeweiligen Standort geltenden Zulassungen und Anwendungsvorschriften. Besonders bei Pflanzen, deren Blüten später verwendet werden sollen, müssen mögliche Rückstände und die jeweilige Anwendungsphase berücksichtigt werden. Pauschale Empfehlungen für einzelne Wirkstoffe sind deshalb nicht sinnvoll.

Breitmilben vorbeugen: Kontrolle ist wichtiger als Aktionismus
Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist regelmäßiges Monitoring. Neue Pflanzen oder Stecklinge sollten vor der Eingliederung in einen bestehenden Bestand sorgfältig kontrolliert werden. Auffälliger Neuwuchs ist ein Anlass für eine genauere Untersuchung, auch wenn noch keine Milben mit bloßem Auge sichtbar sind.

Indoor erleichtert ein übersichtlicher und gut zugänglicher Anbaubereich die regelmäßige Kontrolle. Wer seinen Anbauraum selbst plant, findet dazu weitere Grundlagen in unserer Anleitung zum Growbox selber bauen. Auch im Gewächshaus sollten junge Triebe und Blattunterseiten regelmäßig kontrolliert werden, da ein geschützter Standort einen Schädlingsbefall nicht grundsätzlich verhindert.

Bei Outdoor Hanfsamen und anderen Pflanzen im Freien sind die Umweltbedingungen weniger kontrollierbar als in geschlossenen Anbauräumen. Umso wichtiger ist es, ungewöhnliche Veränderungen am Neuwuchs frühzeitig wahrzunehmen und nicht automatisch als Nährstoff- oder Wetterproblem einzuordnen.

Bei einem Guerilla Grow sind engmaschige Kontrollen naturgemäß schwieriger. Werden Pflanzen nur in größeren Abständen besucht, können frühe Veränderungen leichter unbemerkt bleiben. Auffällige Triebspitzen sollten deshalb bei jeder Kontrolle genauer betrachtet werden.

FAQ: Häufige Fragen zu Breitmilben bei Cannabis

Wie erkennt man Breitmilben bei Cannabis?
Ein möglicher Befall zeigt sich häufig zuerst am jungen Neuwuchs. Verdrehte oder gekräuselte junge Blätter, gestauchte Triebspitzen und Wachstumsstörungen können Hinweise sein. Diese Symptome reichen für eine Diagnose jedoch nicht aus. Verdächtige junge Blätter und insbesondere ihre Unterseiten sollten unter ausreichender Vergrößerung auf Breitmilben und deren charakteristische Eier untersucht werden.

Kann man Breitmilben mit bloßem Auge sehen?
Einzelne Breitmilben lassen sich mit bloßem Auge kaum zuverlässig erkennen. Erwachsene Tiere sind nur ungefähr 0,1 bis 0,2 Millimeter groß. Eine starke Handlupe kann bei der Suche helfen, für eine genauere Bestimmung sind ein Mikroskop oder Digitalmikroskop jedoch wesentlich geeigneter.

Wie sehen die Eier von Breitmilben aus?
Die Eier von Polyphagotarsonemus latus sind oval bis elliptisch, transparent beziehungsweise farblos und ungefähr 0,08 Millimeter lang. Besonders auffällig sind zahlreiche weißliche Erhebungen auf ihrer Oberfläche. Für ein Ei werden etwa 29 bis 37 dieser charakteristischen Erhebungen beschrieben. Dieses Muster ist ein wertvolles Merkmal bei der mikroskopischen Diagnose.

Wo sollte man bei Cannabis nach Breitmilben suchen?
Besonders interessant sind junge Triebspitzen, noch nicht vollständig entfaltete Blätter und deren Unterseiten. Breitmilben bevorzugen junges, aktiv wachsendes Pflanzengewebe. Da Tiere und Eier nicht gleichmäßig verteilt sein müssen, sollten mehrere verdächtige Bereiche und möglichst auch mehrere Pflanzen kontrolliert werden.

Was ist der Unterschied zwischen Breitmilben und Hanf-Rostmilben?
Es handelt sich um unterschiedliche Milbenarten. Die Breitmilbe Polyphagotarsonemus latus gehört zu den Tarsonemidae und besitzt einen kompakten, ovalen Körper. Die Hanf-Rostmilbe Aculops cannabicola gehört dagegen zu den Eriophyidae und ist langgestreckt bis annähernd wurmförmig. Da sich manche Schadbilder ähneln, ist die Untersuchung unter ausreichender Vergrößerung besonders wichtig.

Was ist der Unterschied zwischen Breitmilben und Spinnmilben?
Breitmilben sind wesentlich kleiner und konzentrieren sich besonders auf junges Pflanzengewebe. Sie bilden keine Gespinste. Bei Spinnmilben fällt dagegen häufig eine feine helle Punktierung der Blätter auf; bei stärkerem Befall können charakteristische Gespinste entstehen. Auch Tiere und Eier unterscheiden sich unter Vergrößerung deutlich.

Sind gekräuselte Cannabisblätter ein sicherer Hinweis auf Breitmilben?
Nein. Gekräuselte, verdrehte oder deformierte junge Blätter können bei einem Breitmilbenbefall auftreten, haben aber zahlreiche mögliche Ursachen. Andere Schädlinge sowie Probleme mit Nährstoffen, pH-Wert, Wurzeln, Hitze oder Beleuchtung können ähnliche Veränderungen verursachen. Das Schadbild sollte deshalb immer als Ausgangspunkt der Diagnose und nicht als Beweis betrachtet werden.

Wie schnell können sich Breitmilben vermehren?
Unter günstigen Bedingungen kann der Entwicklungszyklus von Polyphagotarsonemus latus sehr schnell ablaufen und mehrere Generationen können in kurzer Folge entstehen. Die genaue Entwicklungsdauer hängt jedoch unter anderem von Temperatur und Wirtspflanze ab. Werte aus Untersuchungen an anderen Kulturpflanzen sollten deshalb nicht ohne Einschränkung auf Cannabis übertragen werden.

Fazit: Bei Breitmilben entscheidet die genaue Diagnose
Breitmilben gehören zu den Pflanzenproblemen, bei denen ein Blick auf das Schadbild allein schnell in die falsche Richtung führen kann. Polyphagotarsonemus latus ist extrem klein, hält sich bevorzugt an jungem Pflanzengewebe auf und kann Veränderungen hervorrufen, die auch bei anderen Schädlingen oder Pflanzenproblemen auftreten.

Besonders wertvoll für die Diagnose sind deshalb die direkte Untersuchung verdächtiger Triebspitzen und die charakteristisch strukturierten Eier. Wer deformierten Neuwuchs nicht automatisch einer einzelnen Ursache zuschreibt, sondern systematisch nach Tieren und Eiern sucht, Breitmilben von Hanf-Rostmilben sowie Spinnmilben abgrenzt und einen bestätigten Befall anschließend weiter überwacht, schafft die wichtigste Grundlage für ein gezieltes Vorgehen.

Quellen & weiterführende Literatur

Utah State University Extension: Broad Mite – Polyphagotarsonemus latus. Übersicht zu Wirtspflanzen einschließlich Hanf, Morphologie, Lebenszyklus, Schadbild und Monitoring.

University of Florida, IFAS Extension: Broad Mite, Polyphagotarsonemus latus (Banks) (Arachnida: Acari: Tarsonemidae). Fachübersicht zu Morphologie, Biologie, Wirtsspektrum, Ausbreitung und Schadbild.

NC State Extension: Cyclamen Mite and Broad Mite. Beschreibung der Entwicklungsstadien und der charakteristischen Breitmilben-Eier mit etwa 29 bis 37 weißlichen Erhebungen.

Cranshaw W. et al. (2019): Developing Insect Pest Management Systems for Hemp in the United States: A Work in Progress. Journal of Integrated Pest Management, 10(1), 26. Überblick über Schädlinge im US-Hanfanbau einschließlich Polyphagotarsonemus latus.

Journal of Integrated Pest Management (2024): Arthropod and mollusk pests of hemp, Cannabis sativa, and their indoor management plan in Florida. Review zur Evidenzlage verschiedener Hanfschädlinge und zur begrenzten veröffentlichten Dokumentation konkreter Schäden durch Polyphagotarsonemus latus an Hanf.

USDA Agricultural Research Service: Untersuchung zur Phoresie von Polyphagotarsonemus latus durch Weiße Fliegen. Wissenschaftliche Grundlage für den beschriebenen Transportmechanismus.

Biological Control: Untersuchung zu Neoseiulus cucumeris und der biologischen Kontrolle von Polyphagotarsonemus latus. Studie zur Nutzung räuberischer Milben gegen Breitmilben.

Experimentelle Untersuchung zu Amblyseius swirskii: Biologische Kontrolle von Polyphagotarsonemus latus mit Raubmilben. Untersuchung zur Wirksamkeit von Amblyseius swirskii gegen Breitmilben auf einer anderen Kulturpflanze.

J. von Cannapot

J. Cannapot

J. ist der Gründer von Cannapot und gilt als Experte im Bereich Cannabis mit Schwerpunkt auf Cannabissorten. Er verfügt über fundiertes Wissen rund um das Thema sowie über langjährige Erfahrung in der Branche. Seit vielen Jahren beschäftigt sich J. intensiv mit Sorten und verschiedenen Cannabis-Produkten im Bereich Hanf und Cannabis.

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